Diese Frage taucht immer mal wieder in Internetforen auf und wird heftig diskutiert. Neulich las ich schockiert von einer Mutter aus den USA, die ihrem Säugling normale Sojamilch aus dem Supermarkt fütterte, weil sie so strikt vegan war. Ihr Baby verstarb nach einiger Zeit…

Andernfalls wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen dieses Thema aufzugreifen. Stillen ist das Natürlichste der Welt und daher stellt sich für mich die Frage überhaupt nicht. Vegan hin oder her.

Aber beleuchten wir diese Thematik doch einmal von verschiedenen Seiten. Ich hoffe es hilft allen Frauen, die diesbezüglich evtl. von ihrer Umgebung verunsichert wurden.

Wir gehen davon aus, dass der Mensch zoologisch zu den Säugetieren gehört. Den Namen haben Säugetiere natürlich vom Vorgang des Säugens der Jungtiere mit Milch. Bei Menschen nennen wir diese Tatsache jedoch nicht säugen, sondern stillen. Aber es ist ein sehr natürlicher Vorgang und es wird dabei auch nur die Milch der eigenen Spezies verzehrt – und zwar bis der Nachwuchs die „normale“ Kost zu sich nehmen kann.

Unnatürlich ist hingegen der Verzehr von Milch über dieses Alter hinaus oder der Verzehr von Muttermilch anderer Spezies.

Muttermilch - praktisch und immer wohl temperiert dabei

Muttermilch – praktisch und immer wohl temperiert dabei

Mein großer Sohn hat mich neulich ganz angewidert angeschaut als ich ihn fragte ob er mal Muttermilch probieren will (natürlich kurz ausgestrichen und nicht direkt aus der Brust – und nur so zum testen). Da fragt man sich warum es auf der anderen Seite so normal ist die Milch artfremder Spezies zu trinken. Noch dazu wenn man sich eitrige Euterentzündungen und den hohen Schadstoff- und Antibiotikagehalt vor Augen hält, der in jeder Milchpackung nachweislich vorhanden ist (inkl. Eiter).

Darüber hinaus liegt der Zusammenhang mit den Wachstumshormonen aus Kuhmilch und dem steigenden Übergewicht der Bevölkerung klar auf der Hand. Natürlich kommt Letzteres nicht nur von der Milch, sondern auch von der ansonsten viel zu Fett-, Eiweiß- und Zuckerhaltigen Ernährung der heutigen Zeit… Aber die Milch hat ganz klar ihren Anteil daran.

Der Mensch ist also im weitesten Sinne ein Tier und die Mutter gibt dem Säugling Milch. Diese Milch ist ja nicht vegan, oder?

Wie definiert sich der Begriff „vegan“? Wir beschreiben heute die vegane Ernährungsweise als pflanzliche Ernährungsweise. Die Definition des Begriffes lautet jedoch:

… soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was dem Nutzen der Tiere, Menschen und der Umwelt dienen soll.”

Empfindet Ihr als Mütter es als Ausbeutung und Grausamkeit, wenn Ihr Eurer Baby stillt? Wenn dies der Fall ist, solltet Ihr evtl. einen Psychologen aufsuchen – und sorry: das meine ich jetzt nicht böse – aber solche „Gefühle“ solltet Ihr lieber überprüfen lassen und Euch Hilfe holen.

Natürlich ist es manchmal grausam, wenn die Brustwarzen wund sind oder sich die Brüste entzünden. Aber hier gibt es glücklicherweise viele Hilfen von Hebammen und der La Leche Liga, sowie Stillberaterinnen vor Ort.

Stillen ist also absolut vegan, weil

a) die Definition von „vegan“ nur mit tierischer Ausbeutung zu tun hat und die pflanzliche Kost lediglich die logische Konsequenz ist

b) es als Ausnahme so selbstverständlich ist, das sie nicht erwähnt werden muss

c) es darüber hinaus das Natürlichste und Gesündeste der Welt ist sein Baby zu stillen, genau wie die Tiere ihre Babies säugen.

Bitte bedenkt, dass die Muttermilch in jeder Lebensphase des Babies genau auf sein Alter abgestimmt ist und sich die die jeweilige Zusammensetzung immer anpasst. Alleine die Tatsache, dass sich die Milch innerhalb einer Mahlzeit verändert (erst Durstlöschend – dann Hungerstillend) ist ein Wunder. Außerdem bekommt das Baby mit der Muttermilch Immunglobuline, die sein Immunsystem stärken und besonders in den ersten Lebenswochen vor Infektionen und Krankheiten schützen.

Auch Papi kann dem Baby mal unkompliziert die abgepumpte Muttermilch geben - und Mami hat frei für andere Aktivitäten

Auch Papi kann dem Baby mal unkompliziert die abgepumpte Muttermilch geben – und Mami hat frei für andere Aktivitäten

Die Mutter profitiert von einer verbesserten und schnelleren Rückbildung und beugt außerdem Brustkrebs vor. Das wurde in diversen Studien erwiesen.

Von daher: stillt Eure Babies so lange wie möglich und holt Euch Hilfe – am besten gleich von Anfang an. Stillkrisen gehören oft dazu, sind aber in der Regel kein Grund abzustillen.

In den wenigsten Fällen können Frauen tatsächlich nicht stillen. Diese Fälle gibt es wirklich; sie sind aber selten. Oft liegt es an einer falschen Beratung oder der fehlenden Unterstützung, wenn es nicht klappt.

Glücklicherweise haben sich die Zeiten inzwischen wieder geändert. In den 60er bis 90er Jahren war stillen total verpönt und die Mütter griffen schnell auf die „praktische“ Fertigmilch zurück. Heutzutage weiß man den Wert der Muttermilch wieder zu schätzen.

Falls es wirklich nicht klappt: Für Veganer am besten geeignet ist eine Säuglingsnahrung auf Sojabasis oder alternativ eine Hypoallergene Pre-Nahrung aus Kuhmilch. Natürlich ist Letztere nicht vegan, aber durch die starke Aufspaltung ist nicht mehr sehr viel von der Kuhmilch übrig. Starke Allergene sind sowohl Kuh- als auch Sojaprodukte. Es ist letztendlich Eure eigene Entscheidung und wird wahrscheinlich stark davon abhängig sein, ob Ihr Euch und Eure Kinder aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen vegan ernährt.

Ich persönlich bin froh, das mir diese Entscheidung erspart bleibt, da mir beide Optionen nicht wirklich gefallen. Und ich hoffe hier findet sich für die Zukunft noch eine andere pflanzliche und gesunde Alternative.

Alles Liebe und bis bald

Eure Carmen