„Ist Muttermilch eigentlich vegan“?

von | Feb 22, 2015

Titelbild Artikel mit stillender Frau und Text: Ist Muttermilch vegan
Diese Frage taucht immer mal wieder in Internetforen auf und wird heftig diskutiert. Neulich las ich schockiert von einer Mutter aus den USA, die ihrem Säugling normale Sojamilch aus dem Supermarkt fütterte, weil sie so strikt vegan war. Ihr Baby verstarb nach einiger Zeit…

Andernfalls wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen dieses Thema aufzugreifen. Stillen ist das Natürlichste der Welt und daher stellt sich für mich die Frage überhaupt nicht. Vegan hin oder her.

Ist stillen vegan?

Aber beleuchten wir diese Thematik doch einmal von verschiedenen Seiten. Ich hoffe es hilft allen Frauen, die diesbezüglich evtl. von ihrer Umgebung verunsichert wurden.

Wir gehen davon aus, dass der Mensch zoologisch zu den Säugetieren gehört. Den Namen haben Säugetiere natürlich vom Vorgang des Säugens der Jungtiere mit Milch. Bei Menschen nennen wir diese Tatsache jedoch nicht säugen, sondern stillen. Aber es ist ein sehr natürlicher Vorgang und es wird dabei auch nur die Milch der eigenen Spezies verzehrt – und zwar bis der Nachwuchs die „normale“ Kost zu sich nehmen kann.

Unnatürlich ist hingegen der Verzehr von Milch über dieses Alter hinaus oder der Verzehr von Muttermilch anderer Spezies.

Milch von der Mama ist „bäh“, aber von der Kuh ist es dann o.k.?

Mein großer Sohn hat mich neulich ganz angewidert angeschaut als ich ihn fragte ob er mal Muttermilch probieren will (natürlich kurz ausgestrichen und nicht direkt aus der Brust – und nur so zum testen). Da fragt man sich warum es auf der anderen Seite so normal ist die Milch artfremder Spezies zu trinken. Noch dazu wenn man sich eitrige Euterentzündungen und und die Antibiotikagabe in der Massentierhaltung vor Augen hält.

Darüber hinaus liegt der Zusammenhang mit den Wachstumshormonen aus Kuhmilch und dem steigenden Übergewicht der Bevölkerung recht klar auf der Hand. Natürlich kommt Letzteres nicht nur von der Milch, sondern auch von der ansonsten viel zu Fett-, Eiweiß- und Zuckerhaltigen Ernährung der heutigen Zeit… Aber die Milch hat ganz klar ihren Anteil daran.

Der Mensch ist also im weitesten Sinne ein Tier und die Mutter gibt dem Säugling Milch. Diese Milch ist ja nicht vegan, oder?

Katze, die erschrocken schaut mit dem Text "Dein Gesicht wenn du aus dem Kuh-Euter trinken müsstest"

Definition des Begriffes vegan bzw. Veganismus

Wie definiert sich der Begriff „vegan“? Wir beschreiben heute die vegane Ernährungsweise als pflanzliche Ernährungsweise. Die Definition des Begriffes lautet jedoch:

… soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was dem Nutzen der Tiere, Menschen und der Umwelt dienen soll.”

Empfindet Ihr als Mütter es als Ausbeutung und Grausamkeit, wenn Ihr Eurer Baby stillt? Wenn dies der Fall ist, solltet Ihr evtl. einen Psychologen aufsuchen – und sorry: das meine ich jetzt nicht böse – aber solche „Gefühle“ solltet Ihr lieber überprüfen lassen und Euch Hilfe holen.

Natürlich ist es manchmal grausam, wenn die Brustwarzen wund sind oder sich die Brüste entzünden. Oder wenn man im Wochenbett nur einmal am Tag stillt – und zwar 24 Stunden am Stück.

Aber hier gibt es glücklicherweise viele Hilfen von Hebammen und der La Leche Liga, sowie Stillberaterinnen vor Ort.

Man sieht schon, dass es hier um die Ausbeutung von Tieren geht – und auch wenn wir als Menschen hiermit eher nicht gemeint sind…

Muttermilch ist vegan

Stillen ist also absolut vegan, weil

  1. die Definition von „vegan“ nur mit tierischer Ausbeutung zu tun hat und die pflanzliche Kost lediglich die logische Konsequenz ist
  2. es als Ausnahme so selbstverständlich ist, das sie nicht erwähnt werden muss
  3. es darüber hinaus das Natürlichste und Gesündeste der Welt ist sein Baby zu stillen, genau wie die Tiere ihre Babies säugen.

Bitte bedenkt, dass die Muttermilch in jeder Lebensphase des Babies genau auf sein Alter abgestimmt ist und sich die die jeweilige Zusammensetzung immer anpasst. Alleine die Tatsache, dass sich die Milch innerhalb einer Mahlzeit verändert (erst Durstlöschend – dann Hungerstillend) ist ein Wunder. Außerdem bekommt das Baby mit der Muttermilch Immunglobuline, die sein Immunsystem stärken und besonders in den ersten Lebenswochen vor Infektionen und Krankheiten schützen.

Titelbild für Hauptartikel zum Thema vegane Stillzeit mit Text und Mama mit Baby im Tragetuch in der grünen Natur

Bild: Wenn du dich als Mama vegan ernährst und stillst, dann lies bitte unbedingt meinen Artikel mit allen ausführlichen Informationen zur veganen Stillzeit, die du brauchst, damit du und dein Baby mit allen Nährstoffen versorgt seid.

Muttermilch – eine Win-Win-Situation für alle – auch für Veganerinnen

Die Mutter profitiert von einer verbesserten und schnelleren Rückbildung und beugt außerdem Brustkrebs vor. Das wurde in diversen Studien erwiesen.

Von daher: stillt Eure Babies so lange wie möglich und holt Euch Hilfe – am besten gleich von Anfang an. Stillkrisen gehören oft dazu, sind aber in der Regel kein Grund abzustillen.

In den wenigsten Fällen können Frauen tatsächlich nicht stillen. Diese Fälle gibt es wirklich; sie sind aber selten. Oft liegt es an einer falschen Beratung oder der fehlenden Unterstützung, wenn es nicht klappt.

Glücklicherweise haben sich die Zeiten inzwischen wieder geändert. In den 60er bis 90er Jahren war stillen total verpönt und die Mütter griffen schnell auf die „praktische“ Fertigmilch zurück. Heutzutage weiß man den Wert der Muttermilch wieder zu schätzen.

Falls es wirklich nicht klappt: Für Veganer am besten geeignet ist eine Säuglingsnahrung auf Sojabasis oder alternativ eine Hypoallergene Pre-Nahrung aus Kuhmilch. Natürlich ist Letztere nicht vegan, aber durch die starke Aufspaltung ist nicht mehr sehr viel von der Kuhmilch übrig. Starke Allergene sind sowohl Kuh- als auch Sojaprodukte. Es ist letztendlich Eure eigene Entscheidung und wird wahrscheinlich stark davon abhängig sein, ob Ihr Euch und Eure Kinder aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen vegan ernährt.

Ich persönlich bin froh, das mir diese Entscheidung erspart bleibt, da mir beide Optionen nicht wirklich gefallen. Und ich hoffe hier findet sich für die Zukunft noch eine andere pflanzliche und gesunde Alternative.

Alles Liebe

Deine Carmen

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7 Kommentare

  1. Dem möchte ich gerne noch Folgendes hinzufügen:

    Sollte es mit dem Stillen aus welchen Gründen auch immer nicht klappen, hat frau ja kaum vegane Alternativen zur Muttermilch zur Auswahl.

    Ich würde mich in diesem Fall für die Säuglingsernährung für Stutenmilch entscheiden. Sie ist der Muttermilch viel ähnlicher als Kuhmilch und wird von Säuglingen viel besser vertragen, was man schon daran erkennen kann, dass sie nicht erst chemisch bearbeitet und zu einem Pulver verarbeitet werden muss, sondern praktisch direkt aus dem Stuteneuter an das Baby verfüttert werden kann.
    Evtl. muss der Fettgehalt noch mit einem hochwertigen Öl erhöht werden. Aber wenn es einen von euch betrifft und interessiert, werdet ihr euch ja sicher eh nochmal ausgiebig mit dem Thema auseinander setzen. Einfach mal in die Suchmaschine eingeben.

    Wir sind zwar selbst auch Veganer. Ich kann dazu aber trotzdem die Auskunft geben, dass ich persönlich die angerührte „Pulvermilch“ geschmacklich ziemlich ecklig finde und das Stutenmilch einen angenehmen leichten süßlichen Geschmack hat. Also auch geschmacklich kommt sie wesentlich dichter an Muttermilch ran.

    Übrigens ist das keine neue Erfindung. Es wurde auch früher schon der Esel durchs Dorf getrieben, um verwaiste Babys nach dem Krieg satt zu bekommen. Eselmilch soll genauso gut sein, allerdings ist mir nicht bekannt, ob man diese irgendwo erwerben kann.
    Von Stutenmilch kann ich jedoch berichten, dass wir zufällig in unserem Dorf eine Stutenmilchfarm haben, auf der die Pferde viel Auslauf haben, liebevoll betreut werden und was ich sehr gut finde, dass die Fohlen nicht gleich ihrer Mutter entrissen werden (wie es bei den Kühen der Fall ist) sondern noch ganz lange bei der Mama bleiben und nur abends bei jedem Pferd der eine Liter abgemolken wird, den das Fohlen übergelassen hat. Entsprechend stellen sich natürlich die Preise dar.

    Wie es auf anderen Stutenmilchfarmen aussieht, kann ich nicht sagen.

    Viel Spaß beim selbst Nachlesen… :-)

    Antworten
    • Hallo Yvonne, ich denke da tatsächlich 99,9 % der Frauen stillen können – sofern sie richtig beraten werden, sollten wir lieber darauf aufmerksam machen. Ich persönlich halte es nicht für ratsam Experimente zu machen. Veganerinnen, die nicht stillen können, sollten aus Wissenschaftlicher Sicht dann doch lieber auf Pre Nahrung zurück greifen. Aber wie gesagt: das ist ja der kleinste Teil.

      Inhaltsstoffe/100 ml[2] Mensch Kuh Schaf Ziege Pferd
      Wasser 87,2 % 87,5 % 82,7 % 86,6 % 90,1 %
      Kohlenhydrate 7,0 % 4,8 % 6,3 % 3,9 % 5,9 %
      Fett 4,0 % 3,5–4,0 %5,3 % 3,7 % 1,5 %
      Eiweiß 1,5 % 3,5 % 4,6 % 4,2 % 2,1 %
      Spurenelemente 0,3 % 0,7 % 0,9 % 0,8 % 0,4 %
      kcal 70 64–68 86 65 43
      Ich habe hier einmal die Übersicht aus Wikipedia rein kopiert. Man kann erkennen, dass der Eiweißgehalt in Stutenmilch höher ist. Eiweiß kann in zu hohen Dosierungen sogar tödlich enden, da die Niere noch nicht damit umgehen kann (Ammoniak als Abbauprodukt von Eiweiß). Daher dürfen die Babies ja auch keine Kuhmilch trinken (klar die liegt noch höher), sondern bekommen eine Säuglingsmilchnahrung bei der entsprechend die Makronährstoffe an die Muttermilch angepasst wurde. Was noch sehr wichtig ist: Schau mal auf den Fettgehalt. Der ist in Stutenmilch sehr sehr viel niedriger. Aber Fett benötigen wir dringend für die Gehirnentwicklung. Und das ist ja das wodurch wir Menschen uns dann doch von den Tieren unterscheiden. Die Tiere müssen zuerst auf die Beine kommen um vor Feinden wegzulaufen. Das können die Menschenbabies nicht – dafür lernen sie sehr schnell und das Gehirn wächst in den ersten Wochen und Monaten enorm. Dafür benötigen wir am besten Muttermilch. Ich kann nur dringend raten: Finger weg von anderen Tiermilchen – und im Worst Case lieber auf das sicher funktionierende zurückgreifen. Lieber mal kurz nicht vegan (bis wir genug Studien bzgl. der Soja und Mandelbasierten Säuglingsnahrungen haben), anstatt die Gesundheit der Kinder zu riskieren.
      Und noch wichtiger ist, dass wir gute Stillberaterinnen haben. Also statt zu überlegen was man tut, falls man nicht stillen kann, direkt mal eine gute Begleitung für die Stillzeit suchen. Fragen und Stillkrisen gibt es immer wieder. Und wir können alle stillen und da durch gehen. Sonst wären wir schon ausgestorben…

      Antworten
      • Hallo Carmen,

        Ein Fan von Experimenten bin ich auch nicht, schon gar nicht bei Babys.

        Das war ja auch nur ein Hinweis, weil ich zwei Frauen kenne, die auf Grund einer Erkrankung samt OP nicht weiterstillen konnten. Mich persönlich macht Essen, was zwischendurch zu Pulver verarbeitet wurde, eben immer skeptisch. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung.
        Wir haben auch Bauern in der Gegend, bei denen wir frische Kuhmilch kaufen könnten, aber die könnte eben so frisch aus dem Euter nicht an ein Baby verfüttert werden, im Gegensatz zur Stutenmilch. Und das gibt mir halt zu denken.
        Das man den Fettgehalt der Stutenmilch entsprechend erhöhen müsste, erwähnte ich ja. Und das Eiweiß nicht gleich Eiweiß ist, wissen wir wohl am besten. Ich kenne sogar ein Kind, was diese Milch als Baby bekommen hat. Ein Kind ist natürlich keine Studie.
        Also wie gesagt, ich wollte die Stutenmilch nur mal erwähnen. Und wie mit der veganen Ernährung in der Schwangerschaft muss auch über die Ernährung des Babys jeder selbst entscheiden. Denn sowohl erstes als auch zweites muss ich mit gutem Gewissen vertreten können.
        Ich würde dem Stillen natürlich immer den Vorzug geben.
        Und es lohnt sich, auch bei schwierigen Phasen, wie wunden Brustwarzen o.a., nicht aufzugeben, sondern sich wenn nötig Hilfe zu holen und durchzuhalten!

        LG und viele schöne Stillmomente

        Antworten
        • Auch zu dem Punkt, ob nach OPs und bei Medikamentengabe weitergestillt werden kann, können Stillberaterinnen häufig Auskunft geben (oder wissen zumindest, wo man sich informieren kann).
          Also bevor Experimente mit Muttermilchersatz gemacht werden, bitte lieber eine Beraterin kontaktieren.

          LG
          Tanja
          (Stillberaterin Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen e.V.)

          Antworten
          • Hallo Tanja,
            ja danke für Deine Info. Ich wurde im letzten Jahr auch zweimal operiert (leider) und konnte trotz Vollnarkose komplett weiterstillen. Kannst Du was dazu sagen wie es mit tätowieren ist, während man stillt? Ich höre die Frage immer wieder – vor allem von Mamis die sehr lange stillen.
            Liebe Grüße und danke
            Carmen

  2. Gut geschrieben. Danke Dir dafür :)

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