Schon ab dem ersten Tag der Schwangerschaft machen wir uns alle möglichen Sorgen. Vor allem beim ersten Kind. Eine der Hauptsorgen ist sofort: bekommt das Baby alles was es braucht? Zunächst im Bauch, dann über die Muttermilch und dann bei der Beikost – und vor allem wenn es sehr wenig oder sehr einseitig essen mag. Und was ist erst mit 1,5 Jahren, wenn die Kinder ihre Autonomie ausbilden und plötzlich so gar nix mehr schmecken will außer nackte Nudeln?

Huiuiuiuiui – Mami werden und auch sein ist nicht einfach.

Erst recht bei veganer Ernährung, wo ohnehin schon einige Lebensmittelgruppen wegfallen, kann schneller ein Nährstoffmangel entstehen. Natürlich holen sich Kinder was sie brauchen – aber ob sie das können, hängt von unserem Angebot ab.

Doch wie schaffen wir es von Anfang an alles zu tun um unserem Kind abwechslungsreiche pflanzliche Nahrung schmackhaft zu machen, damit uns allen das Essen Spaß macht und schmeckt?

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Am Beispiel meines zweiten Sohnes Yannik, der in 3 Tagen schon ein Jahr alt wird, zeige ich Dir wie sich die Geschmacksentwicklung und das Abenteuer Essen entwickelt.

Das Abenteuer Essen lernen beginnt bereits im Mutterleib.

Was Du schon in der Schwangerschaft tun kannst!

Ich frag mal das Baby ob Tahin fürs Eisen gut ist...

Ich frag mal das Baby ob Tahin fürs Eisen gut ist…

Was hier so lustig klingt oder aussieht, ist aber gar nicht so abwegig, denn tatsächlich beeinflussen wir mit unserem Essen den Geschmack des Fruchtwassers. Je ausgewogener und vielseitiger wir uns also ernähren, umso differenzierter entwickelt sich auch der Geschmackssinn des Kindes.

Zeit unsere Ernährungsgewohnheiten spätestens jetzt umzustellen und auf eine richtige Ernährung schon jetzt zu achten. Hier macht übrigens auch schon eine Ernährungsberatung Sinn. Nicht zuletzt um Eure Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen. Ihr habt vielleicht schon gemerkt: Spätestens jetzt nerven Euch die Leute meistens richtig mit der Besserwisserei. Und das hört auch nie wieder auf – es sei denn Ihr zieht klare Grenzen. Und je besser Ihr informiert seid, desto einfacher ist es.

Mögliche Hürden: Numero Uno die Schwangerschaftsübelkeit und spezielle Vorlieben und Abneigungen, die sich in der Schwangerschaft entwickeln. Die Devise ist nun es so gut wie möglich umzusetzen. Vorlieben und Abneigungen können Hinweise der Natur sein und sollten als solche gesehen werden, solange sie sich in natürlichen Bahnen bewegen (Nicht natürlich: Lust auf Seife oder Zigarettenstummel).

Numero Dos: Ihr seid noch nicht an Vollwertkost gewohnt und bekommt jetzt erst recht Verdauungsprobleme. Kein Wunder. Eine Umstellung auf Vollwertkost kann bis zu drei Jahre dauern. Aber keine Angst. Es gibt einige Tipps & Tricks, wie Ihr das langsam umstellen könnt. Z.B. durchgemahlenes Vollkornbrot statt Körnerbrot. Vollkornbrot zeichnet sich ja nicht durch die ganzen Körner aus, sondern weil das ganze Korn verwendet wurde. Es ist also egal ob es durchgemahlen wurde oder nicht.

Geschmack der Muttermilch

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War Euch bewusst, dass die Ernährung in der Stillzeit noch wichtiger ist, als die Ernährung in der Schwangerschaft? Warum? Weil der Nährstoffbedarf noch weiter steigt (außer bei Eisen – da ist er weniger).  Also unsere Keksdiät ist nicht wirklich hilfreich 😉

Auch unsere Ernährung – also die der Mütter – beeinflusst sehr den Geschmack der Muttermilch. Im Übrigen natürlich auch nicht nur den Geschmack, sondern auch den Nährstoffgehalt (wasserlösliche Vitamine, Vitamin E, Carotin sowie die Mineralstoffe Jod, Selen, Mangan und Fluorid), das Fettsäuremuster (Qualität -> wichtig für Gehirn- und Nervensystementwicklung und mehr). Die Verteilung der (energiebringenden) Makronährstoffe ist gleich sofern die Mutter nicht tagelang hungert, krank ist oder starke Diäten macht. Wichtig ist auch eine ausreichende Trinkmenge.

Fazit: behaltet Ihr die gesunde Ernährung aus der Schwangerschaft bei, gewöhnt Ihr Euer Baby weiter an Euer Familienessen

Brei-Beikost und Baby Led Weaning – Familientischküche für’s Baby

Baby Led Weaning

Auf dem Bild ist Yannik etwa 11 Monate alt und er isst einen veganen Burger mit einer Bulette aus Kidneybohnen, Süßkartoffeln und roter Beete mit einer Guacamole und Apfelscheibchen. Der Deckel fehlt bei ihm ;).

Aber wie habe ich angefangen bis wir soweit waren?

Als Yannick etwa 6 Monate alt war, konnte er schon lange seinen Kopf alleine halten und wollte auch immerzu auf dem Schoß sitzen und auf den Tisch schauen. Bis dahin hatte ich noch voll gestillt. Nachdem ich ein Buch über Baby Led Weaning gelesen hatte, war ich absolut überzeugt davon das auszuprobieren, weil es für mich viel natürlicher ist als Breibeikost.

Zunächst gab es verschiedene Gemüse aus dem Backofen, wie Kürbis, Süßkartoffeln, Kartoffeln (mit Schale) und Gewürzen (kein Salz!!!). Oder gedämpften Brokkoli. Jeweils mit einer energiereichen Soße z.B. aus dem Garwasser mit Cashew- oder Mandelmus – oder z.B. einer Guacamole. Dann habe ich den Speiseplan immer weiter ausgeweitet. Er hat eigentlich fast alles gegessen, was ich auch gegessen habe. Meine Regeln: kein zugesetzter Zucker, kein Salz, kein Ahornsirup, kein Soja, kein Seitan, keine Fertigprodukte (vegane Würstchen o.Ä.) und immer das Gemüse mit Energieträgern verbinden. Das war dann unsere Mittagsmahlzeit. Ich hab mich einfach gut drauf eingestellt und habe vorm Finalisieren seine Menge abgenommen und dann das restliche Essen gewürzt. Kräuter hat er auf jeden Fall schon dabei gehabt.

Manchmal – wenn mein Essen wirklich total unpassend war oder wir unterwegs waren, hab ich ihm auch klassische Breie gekocht. Das war auch kein Problem. Und wenn ich z.b. mal ein Gericht hatte, was für ein BLW-Baby wirklich schwer zu essen war, hab ich es auch püriert (aber immer Salzregel etc. beachten).

Zum Frühstück gibt es für ihn eigentlich immer ein Brot vom Biobäcker. Dunkelvollkorn oder Roggenvollkorn-Sauerteigbrot. Aufstrich: Tahin, Cashew- oder Mandelmus. Später auch Mischnussmus (inkl. Haselnuss) oder auch Erdnussmus – letzteres so ab 9/10 Monaten. Dazu gab und gibt es dann Obst. Immer abwechselnd. Auch gerne mal Avocado. Je nachdem was ich gerade esse.

Zusätzlich habe ich tagsüber und nachts sowieso einfach nach Bedarf weiter gestillt. Ich habe ja noch – gerade anfangs – die Mahlzeiten nicht komplett ersetzt. Beim BLW dauert es einfach noch ein bisschen länger bis nennenswerte Mengen verzehrt werden. Aber dann geht es irgendwann ganz schnell.

Der Vorteil ist, dass die Babies schon den Geschmack einzeln sehr gut kennenlernen und auch die Optik und Haptik (das Fühlen) sind von Anfang an mit von der Partie (warum das so wichtig ist, lest Ihr gleich, wenn wir zur Autonomie Phase kommen).

Nachmittags gab es nochmal Obst und abends habe ich dann aber den klassischen Brei gemacht – und den gibt’s immer noch. Darüber kann ich den Eisenbedarf ganz gut abdecken, weil ich meistens einen Brei aus Hirseflocken koche. Dann noch Obst reindrücken und einen Nussmus sowie DHA angereichertes Leinöl dazu. Ich nehme übrigens meistens nur Wasser, manchmal aber auch Calcium-angereicherten Haferdrink – je nachdem ob ich gerade mehr das Eisen oder mehr das Calcium forcieren will.

Abendbrei

Ich biete alle guten Nahrungsmittel sehr abwechslungsreich an und achte auf die Energieträger (sehr wichtig bei veganer Ernährung). Manche Dinge müssen püriert werden, wie z.b. Kichererbsen. Das gibt’s dann z.B. in Form von Hummus oder Bratlingen o.Ä. Das oben erwähnte BLW Buch hilft Euch aber sehr dabei.

Wir waren vor ein paar Tagen bei der U6. Die Kinderärztin ist wirklich super zufrieden. Natürlich weiß sie von der veganen Ernährung und ich habe sie darum gebeten Anfang März ein Blutbild zu machen um sicherzugehen, dass er sich nicht nur optisch und körperlich sowie geistig so prima entwickelt hat und immer um Längen voraus ist, sondern dass er auch wirklich alle Nährstoffe bekommt. Diese Empfehlung gebe ich an alle Eltern weiter. Lasst einige Blutwerte regelmäßig kontrollieren. Dann seid Ihr auf der sicheren Seite.

BLW

Spätestens jetzt für alle: der Familientisch

Nun geht’s auch für die Breikinder los. Sie essen vom Familientisch mit. Für Yannik wird sich nicht sehr viel ändern. Die Nieren sind jetzt ausgereift und Salz ist auch kein Problem mehr. Dennoch werde ich natürlich alles sehr sehr langsam einschleichen, denn er kennt den Geschmack ja noch gar nicht. Genauso wenig muss er jetzt vegane Torten essen ;)…

An dieser Stelle möchte ich noch einmal kurz die Essumgebung erwähnen: Wenn möglich sollte die ganze Familie an einem Tisch sitzen und gemeinsam die Mahlzeiten einnehmen. Manchmal ist vielleicht auch die Mutter alleine mit ihrem Kind oder ihren Kindern. Wichtig: Ihr seid als Eltern Vorbilder und wenn der Herr Papa kein Gemüse isst, wird das Kind das Gemüse auch gerne liegen lassen ;). Radio und Glotze bleiben aus. Das Essen steht auf dem Tisch und jeder nimmt sich was und wie viel er möchte. (Ihr bestimmt das Angebot, daher müsst Ihr auch nicht über gesundes Essen sprechen – Essen macht einfach Spaß und ist lecker. Der Nachtisch ist einfach nur begrenzt vorhanden).

Jetzt können wir noch einmal 6 Monate durchatmen in denen das alleine-essen immer besser klappt, bevor wir in die nächste sehr spannende Phase eintreten. Und ich erinnere mich noch sehr sehr gut an sie obwohl mein großer Sohn schon fast 12 Jahre alt ist

Die Autonomie Phase – oder Kinder wollen alleine bestimmen

Im Alter von 1,5 Jahren etwa beginnen die Kinder selbstbestimmter zu werden. Sie bilden ihre Autonomie aus. Es gibt nicht viele Bereiche in denen sie sich richtig gut gegen die Eltern durchsetzen können. Aber beim Thema essen, schlafen und Pipi/Kacka machen können wir nur wenig tun. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Euer Kind mindestens in einem Bereich tut was es will.

Ich kann Euch beruhigen: sollte Euer Kind ein sogenannter Hobby-Esser sein, wird die Autonomie wahrscheinlich nicht beim Thema Essen ausgelebt. Aber vielleicht wird das Kind sehr sehr spät trocken und hat keine Lust auf Euer bereits gekauftes Töpfchen?! Oder es will EINFACH NICHT MEHR INS BETT 😉

Viele Kinder treten nun in eine schwierige Phase ein, die uns Eltern regelmäßig zum äußersten Rande der Verzweiflung bringt: Sie wollen nicht essen. Oder nur Nudeln. Aus lauter Sorgen fangen manche Eltern dann an jeden Tag nur Nudeln zu kochen. Und zwar für die nächsten 3,5 Jahre ;)–… Mindestens ;). Die schwierige Phase geht nämlich bis etwa 5 Jahre. Dann sind Transfergedanken möglich und Ihr könnt den Kindern z.B. erklären, wenn es bisher nur Spaghetti aß, dass die anderen Nudeln so ähnlich schmecken wie Spaghetti, aber anders aussehen.

Heißgeliebte Nudeln....

Heißgeliebte Nudeln….

Warum ist das so? Kinder möchten selbst Verantwortung übernehmen für Ihr Gefühl von Hunger und Sattheit. Sie vertrauen dann nicht mehr so viel den Eltern, sondern lernen sich selbst zu vertrauen, was ein sehr wichtiger Schritt in ihrer Entwicklung ist. Daher benötigen sie bis zu 15 Kontakte um ein Lebensmittel als ungefährlich und tatsächlich essbar einzustufen.

Ein Kontakt ist z.B. schon: Die Erbsen liegen auf dem Teller und werden vom Kind nur angeschaut. Der zweite Kontakt ist vielleicht ein umherschieben mit der Gabel. Beim Dritten werden die Erbsen dann vielleicht mal angefasst oder durch die Gegend geworfen. Dann wieder ignoriert, dann beim nächsten Mal vielleicht mal in den Mund genommen usw. usf.

Ihr erleichtert dem Kind diese Erfahrung indem das „neue“ Lebensmittel mit einem Bekannten daher kommt. Etwa mit Kartoffeln – oder Nudeln ;)…

Und nicht verzagen. Euer Kind wird nicht verhungern. Nicht zwingen – auch nicht zum Probieren. Ihr könnt Euer Kind animieren. Die Animation läuft aber über Euer eigenes Gefühl, nicht über das Eures Kindes, wie z.B.: „Also wenn ICH diese Erbsen esse, dann….“

Und an dieser Stelle macht jetzt auch alles andere Sinn was ich weiter oben schon andeutete – und für mich ganz persönlich auch das Baby Led Weaning. Hier gab es schon so viele Kontakte, dass diese Phase sicherlich sehr viel leichter wird, als wenn die schwangere Frau sich von Nahrungsergänzung und Schokolade ernährt hat, die Mutter der Bequemlichkeit halber lieber auf Flaschennahrung zurück griff und dann bei Gläschen landete. Ich sag nur Adieu Claus Hipp. Selbst kochen rules und ist im Übrigen sowas von easy!!!

Es gibt natürlich noch viel mehr dazu zu sagen. Wenn Ihr bei mir eine Beratung bucht, bekommt Ihr noch zusätzlich jeweils Dokumente passend zum jeweiligen Thema mit vielen Hintergrundinformationen. Bei den Kinderdokumenten gibt’s noch einiges mehr zur Geschmacksentwicklung, was aber hier komplett den Rahmen sprengen würde.

Kindergarten/Schule – und jetzt?

Dieses Thema werde ich an dieser Stelle nur kurz anreißen, denn ich denke es ist einen eigenen Artikel wert. Gerade für uns vegane Eltern ist das Essen im Kindergarten und in der Schule wirklich ein Graus. Ich kann ein Liedchen davon singen. Es gibt glücklicherweise auch Ausnahmen. Ich bin sehr auf Eure Geschichten gespannt. Schreibt mir gerne was Ihr so erlebt und wie Ihr es gelöst habt.

Auf jeden Fall wird sich für Euer Kind das Erlebnis Essen hier etwas verändern ;)… Aber vieles läuft hier über soziale Kontakte und das ist ein Thema, welches sehr sehr wichtig ist… Dazu aber in Zukunft mehr.

Ich hoffe meine Zeilen haben Euch schon weiterhelfen können. Wenn Ihr mehr wissen wollt, dann kauft Euch dieses Buch oder bucht mich für eine Beratung.

BUCHTIPP:

Im Buch „Lotta lernt essen“ erklärt die Autorin und Ernährungswissenschaftlerin Edith Gätjen ganz genau und noch viel detaillierter als ich in diesem Artikel wie Kinder essen lernen. Das Buch kommt mit sehr vielen Tipps und Hintergrundwissen zu Nährstoffen daher. Auch zum Thema Stillen und Schwangerschaft. Es ist (leider) nicht speziell für Veganer. Aber es finden sich auch für uns genügend Informationen, die einen Kauf rechtfertigen. Das Buch ist ein echtes Handbuch ab der Schwangerschaft und von mir gibt es eine ganz klare Kaufempfehlung.

 

Ich hoffe Euch hat mein Artikel gefallen. Wie immer freue ich mich über Kommentare, Likes, Shares und Nachrichten.

Alles Liebe

Eure Carmen