Carmen kenne ich aus einer ganz wundervollen Facebook-Gruppe, in der ich Admin sein darf, die „Vegane Mommies und solche, die es noch werden wollen“ heißt. Wie der Name schon sagt treffen sich dort vegane aber eben auch (noch) vegetarisch oder omnivor lebende Mütter zum Austausch über vegane Ernährung, vegane Schwangerschaft und Stillzeit und das Leben mit Kindern im Allgemeinen. Nicht selten kommt es dort auch zu einem Thread, in dem eine Mutter nach Hilfestellung für Kita, Kindergarten oder Tagesmutter sucht und sich fragt:

Wie erkläre ich meiner außerfamiliären Betreuung, dass und warum mein Kind / meine Kinder keine tierischen Produkte zu sich nehmen?

Manchmal sucht eine Mutter auch nach einer Möglichkeit, der Betreuung einen Leitfaden mitzugeben, um es dem Kind letztendlich zu vereinfachen.

Dieses „Problem“ läuft einem immer wieder über den Weg. Als langjähriger und erfahrener Veganer sortiert das Auge die tierischen Produkte im Supermarkt oder auf dem Buffet schon automatisch aus, doch oft wissen Omnivore aber auch Vegetarier gar nicht immer so ganz genau, was denn nun geht und was nicht. Und gerade die betreuende Person, Erzieher in Kita oder Kindergarten oder die Tagesmutter, sehen sich vor einer großen Herausforderung, dem Kind nur das zu geben, was es auch „darf“ und dem Spagat, es so genau vielleicht gar nicht zu wissen, eben weil die Berührungspunkte so gering sind.

Bei einer Unverträglichkeit drückt uns der Allergologe ein Infoblatt in die Hand, mit dessen Hilfe wir eine Überreaktion auf ein unverträgliches Nahrungsmittel vermeiden können. Wir bekommen eine ungefähre Vorstellung und wachsen in die Thematik hinein. Ebenso ist es bei der bewussten Entscheidung zum Verzicht; keiner wird von heute auf morgen bei einer ethisch-moralischen Ernährungsumstellung einfach auf Tierprodukte verzichten und nur noch Nudeln mit Ketchup essen und wenn doch, ziemlich bald einen hohen Preis dafür zahlen. Für eine wirklich ausführliche Betrachtung der Lebensweise haben allerdings die betreuenden Personen unserer Kinder nur wenig Zeit. Es ist also hilfreich, Ihnen den Einstieg zu erleichtern und somit langfristig sicherzustellen, dass unsere Kinder auch wirklich nur jene Lebensmittel bekommen, die wir für Sie als gut und gesund betrachten. Es stärkt zudem auch die Beziehung zwischen euch als Eltern und den Erziehern oder der Tagesmutter, denn ihr signalisiert einen offenen, aufklärenden Umgang und kein Dogma.

Meine Kinder wachsen avap auf, zuhause vegan und so gut es geht auch bei der Tagesmutter. Damit euch das stressfrei gelingen kann, habe ich aus der eigenen Erfahrung 5 Tips zusammengestellt.

1.) Eine feste Entscheidung, an der nicht gerüttelt wird.

Ja, was denn nun – vegetarisch, vegan, vegan mit Ausnahmen, Omnivor mit Gemüsetag, er darf nur das, sie darf das aber nicht?
In der „Fremdbetreuung“ treffen Menschen vieler unterschiedlicher Interessen und Vorstellungen aufeinander. Ich kann mir vorstellen, dass es wirklich herausfordernd sein kann, in einer Gruppe aus 12-15 Kindern jede einzelne Unverträglichkeit zu berücksichtigen. Und dann kommen noch die hinzu, die sagen: „Also eigentlich sind wir ja Veganer, ABER dies und das darf er essen!“ Oder „Wir sind Vegetarier, ABER zuhause isst er dies und das!“

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Unruhe und Verwirrung stiftet und meist mit einer klaren Marschroute mehr geholfen ist. Also überlegt euch bereits bei der Anmeldung zur Betreuung, welche Ernährungsform ihr euch dort für euer Kind wünscht und bleibt dabei, auch beim Aufnahmegespräch. Auch wenn es anfänglich wirkt, als wäre es kooperativer, einen Schritt auf die Einrichtung zu zu gehen, so werdet ihr euch nach hinten raus vielleicht ärgern.

Ein Beispiel: mein Sohn geht zu einer Tagesmutter, die menschlich nicht besser passen kömnte. Um ihr entgegenzukommen und nicht zu dogmatisch zu wirken, hatte ich meine Vorstellungen nicht so ganz klar definiert. Ich wollte eben locker und nicht so streng oder spießig wirken. Einige Wochen später holte ich mein Kind mittags ab und sie erzählte mir, er habe Backfisch gegessen. Urks. Ich erschrak und war gar nicht begeistert. Doch mir fiel auf: sie und ihre Familie leben Omnivor und mit vegan/vegetarischer Ernährung hatte sie sich bis zu meinem Auftreten nie befasst. Ich hatte ihr erklärt, dass mein Sohn mindestens vegetarisch essen sollte (an vegan wollte ich sie sozusagen langsam heran führen). Für sie war eben nicht automatisch klar, dass Fisch für mich nicht vegetarisch ist. Ihr kennt das vielleicht, Vegetarier, die sich so nennen und doch Hühnchen oder Fisch essen. Jedenfalls konnte ich ihr auch keinen Vorwurf machen – ich hatte mich nicht klar positioniert. Besser wäre folgendes gewesen:

2.) Ein praktischer Leitfaden, der Außenstehenden hilft 

Ich habe gute Erfahrungen mit einem Ernährungskompass, so nenne ich es, gemacht. Er hat 4 Seiten:
1. Das esse ich nicht
2. Das esse ich alternativ
3. Das mag ich besonders gern
4. Das vertrage ich nicht / mag ich nicht

Ihr könnt das zum Beispiel als Word-Dokument in 4 Spalten auf einer DIN A4- Seite schachteln, ausdrucken, laminieren und der Einrichtung in die Hand drücken. Ihr könnt ihn bunt als Uhr oder Kompass gestalten oder auf buntem Karton selbst beschriften. Theoretisch könnt ihr ihn auch im Handtaschenformat, zum Beispiel A5 oder A6, ausdrucken und dem Kind auf jeden Kindergeburtstag mitgeben, bzw. den Müttern als Vorbereitung. Er ist perfekt für die tägliche Essenszubereitung in jeder Betreuungsform, als Leitfaden für die Tagesmutter, für jede Krabbelgruppe, jeden Spielkreis und jedes Mal, wenn euer Kind bei einem anderen Kind eingeladen ist. Natürlich verlangt ihr auf der einen Seite erstmal viel, auf der anderen Seite ist dies eine wirklich faire und sympathische Art relativ undogmatisch zu vermitteln: „Okay, wir verzichten, aber bewusst und so richtig ein Problem ist das, wie ihr seht, nicht.“
Eine weitere schöne Alternative ist die folgende:

3.) Selber zubereiten, Essenskorb mitbringen, kleine Aufmerksamkeiten zwischendurch

Zur Eingewöhnung brachte ich der Tagesmutter einen großen, bunten Korb aus frischem Gemüse, Nüssen, veganen Süßigkeiten, Obst und selbst gebackenem Kuchen mit. Sie freute sich sehr und ihre Reaktion war: „Toll! Dann weiß ich auch gleich, was Bubba Ray isst!“ Genau das war der Plan – einfach mal „showlaufen“. Und auch jetzt, immer mal wieder zwischendurch, bringe ich selbst gebackene Muffins, Kekse, selbst gebackene Brötchen oder Kuchen mit, die allen Kindern schmecken. Im Netz und natürlich hier bei Carmen findet ihr ohne Ende Rezepte für leckere Köstlichkeiten, die ihr zum Geburtstag, zu besonderen feiern oder einfach mal so mit in die Betreuung bringen könnt. Ihr zeigt damit, dass es einfach und unproblematisch ist und dass vegane Leckereien mindestens genauso gut schmecken. Das kommt gut an und wirkt alles andere als fordernd.

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Mein Lieblings-Mitbringsel sind meine „Müsli-Muffins“, denn die vereinen alles, was für Kinder gut ist: sie sind vegan, zuckerfrei, vollwertig, BLW-geeignet (also auch für Kinder U1) und superschnell und einfach (auch mit Kindern!) zuzubereiten.

Für 12 Müsli-Muffins braucht ihr:

3 reife Bananen

200gr Dinkel-Vollkornmehl

2,5 TL Backpulver

0,5 TL Natron

175ml Hafer- oder Mandel- oder anderen Pflanzenmilch

1 EL Apfelmark oder frisch pürierten Apfel

50ml gutes Öl

Und nach Geschmack: Rosinen, Dinkelflocken, Haferflocken oder – bei Kindern mit allen Backenzähnen: Nüsse

Zuerst verrührt ihr die trockenen Zutaten und gebt dann nach und nach die flüssigen dazu. Die reifen Bananen zermatscht ihr mit einer Gabel und rührt sie mit einem Löffel unter. Es gibt endlose Variationen für dieses Rezept. Für größere Kinder können Schokoladendrops mit rein, Agavendicksaft, anstelle des Apfelmarks kann Nussmus genutzt werden, es kann eine Banane weniger und dafür Sojajoghurt mit rein, für größere Kinder kann Vanillinzucker genutzt werden und anstelle der Rosinen zum Beispiel frische Beeren – worauf immer ihr gerade Lust habt. Die Muffins wandern dann für ca. 20 Minuten bei 180 Grad in den Ofen und sind dann schon fertig – total schnell und easy!

4.) Sucht immer wieder das Gespräch.

Anstatt zu warten, dass das Kind wochenlang nur Kartoffeln mit Soße bekommt und sich dann darüber aufzuregen, könnt Ihr regelmäßig das Gespräch suchen. Fragt doch einmal im Monat, ob alles gut klappt oder ob ihnen die Ideen ausgehen. Besprecht mit den Erziehern oder der Tagesmutter, was euer Kind dort gern und viel isst und gebt neue Anstöße. Vermittelt immer wieder, dass ihr gesprächsbereit seid und gerne Hilfe anbietet. Vielleicht findet ihr die Zeit, mal zusammen mit der Köchin oder dem Koch der Einrichtung zu kochen oder sogar der Tagesmutter helfen zu dürfen? Ein lockerer, spielerischer Umgang mit dem Thema ist nicht nur für die Kinder gut und wichtig sondern kommt zumeist auch bei den Erwachsenen viel besser an. Ihr signalisiert, dass ihr keine Aliens vom Mars seid, sondern einfach nur Eltern, die eine andere Ernährungsform gewählt haben, als vielleicht die, die euer Kind betreuen. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

5.) Verschenkt Rezepte

Es kann wirklich so einfach sein. Oft hilft es, einfach mal eine Mappe mit den absoluten Lieblingsrezepten eures Kindes oder eurer Kinder zusammen zu stellen und der Kita oder der Tagesmutter zu schenken. Wenn dafür keine Zeit ist, dann kauft euer Lieblingsrezeptbuch einfach noch einmal. Es gibt viele Back- und Kochbücher, die super für Kinder geeignet sind. Meine Tagesmutter hat „Das vegane Familienkochbuch“ bekommen und sich gefreut, denn neben Rezepten gibt es hier auch viele zusätzliche Informationen, die unsere Distanz bei dem Thema hat schrumpfen lassen. Natürlich hat sie nicht immer die Zeit daraus zu kochen aber es hat einen Anstoß gegeben und einen Überblick über das, was geht und was nicht so toll ankommt.


Das sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie man ohne Diskussion, Vorwürfe und gutgemeinte Ratschläge sicherstellen kann, dass das Kind gesund und so ernährt werden kann, wie man es als Eltern entschieden hat und damit noch zusätzlich ein gutes Verhältnis zur Betreuungseinrichtung oder Tagesmutter wahrt.

Ich denke, das ist der Schlüssel: nicht missionieren oder bekehren sondern aufklären und überzeugen.

Vielleicht schafft ihr, mit einem lockeren und selbstverständlichen Umgang mit dem Thema sogar, dass auch die Mahlzeiten für die anderen Kinder etwas vegetarischer oder veganer werden, weil ihr Menschen anregt und inspiriert.

Das wäre doch toll, oder?

Wie macht ihr es, wenn euer Kind außerfamiliär betreut wird? Beherzigt ihr einen Tip oder vielleicht sogar mehrere? Oder habt ihr andere tolle Aspekte? Wenn ihr mögt, ergänzt gern in den Kommentaren. Wäre doch toll, wenn wir hier eine schöne Zusammenstellung aus lauter wertvollen Tips für vegane Kinder in der „Fremdbetreuung“ hinbekämen.

Alles Liebe,
eure Kathrin von

Öko-Hippie-Rabenmütter.de

 

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