Weihnachten war mir schon immer ein wichtiges Fest, ich liebe die Adventszeit mit all ihren Lichtern und dem ganz besonderen Zauber. Meine Wohnung habe ich geschmückt, egal ob ich grad Single war oder wie jetzt verheiratet bin mit Mann und Kind. Es gibt immer einen Adventskalender, einen Adventskranz, ich höre die Weihnachtslieder von Godewind und der Finkwarder Speeldeel. Das Plattdeutsche hat für mich etwas Besonderes, Schönes, Ehrliches. Und ich verbinde seinen bodenständigen Klang mit Heimat. Und Weihnachten.
Am Heiligen Abend gehe ich gern in die Kirche, obwohl ich den Rest des Jahres streng ungläubig bin. Die Lieder, die Stimmung, alles erlebe ich Jahr für Jahr, seit meiner Kindheit. Meine Mutter, meine Schwestern, wir Mädels gehen zusammen in die Kirche, während mein Vater zuhause das Essen vorbereitet und den Weihnachtsmann hereinlässt.

Das Weihnachtsessen: Kartoffelsalat und Würstchen

Ja, das Weihnachtsessen. Traditionell bei uns, wie bei vielen anderen: Kartoffelsalat mit Würstchen. Entstanden aus dem Wunsch meiner Mutter, nicht so viel Zeit in der Küche verbringen zu müssen an diesem besonderen Tag. Und der Ungeduld von uns Kindern, die sich nicht lang mit Essen aufhalten wollen, bis es dann endlich zur Bescherung geht.

Wir sind geduldiger geworden. Bereiten Teile des Festmahles nun in unseren Wohnungen vor, bringen sie mit zu unserem Familientreffen, das nach wie vor bei unseren Eltern stattfindet. Alle kommen zusammen, meine Großeltern, wir drei Schwestern, mittlerweile zwei Schwiegersöhne und sogar zwei (Ur)enkel. Der Tannenbaum ist geschmückt. Wie jedes Jahr auch mit den Osteranhängern, die sich irgendwann mal in der Weihnachtskiste versteckt haben. Ich liebe diese Traditionen, kann es mir nicht anders vorstellen, möchte es auch nicht. Mein Opa, wir alle, müssen ewig leben. Und doch gibt es diese Entwicklung. Diese mir so wichtige. Das, was ich unseren Weg nenne.

Mein Weg zum Vegansein

Mit 15 Jahren wurde ich zur Vegetarierin. Unser Schulbus hielt beim nächsten Bauernhof, zu oft sah ich morgens das Verladen der Schweine. Konnte und wollte dafür nicht mehr verantwortlich sein und aß fortan kein Fleisch mehr. Ein Buch, das ich zu der Zeit las, bekräftigte mich in meinem Entschluß. Es heißt „Dr. Ratte“ von William Kotzwinkle, und ist jedem sehr ans Herz zu legen, auch wenn es mittlerweile nur noch gebraucht zu bekommen ist. Meine Mutter unterstützte mich von Anfang an. Sie kaufte Grillzeug im Reformhaus. Ja, auch wir haben diese Würstchen mal mit Gummihaut auf den Grill gelegt. Und auch wenn sie nicht besonders gut schmeckten, fühlte ich mich aufgrund meiner Ernährungsumstellung nie als Außenseiter. Es fühlte sich für mich einfach richtig an. Auch am Heiligen Abend bekam ich so meine Extrawurst, alles andere blieb jedoch wie gehabt.

Der letzte Schubs: Tiere sterben auch für Eier, Käse und Milch

Dann kam der Tag, aus heutiger Sicht unverständlich spät, ich war schon 28, aber jeder braucht eben seine Zeit… Also der Tag, an dem es zu mir vordrang, dass auch für meine Milch, den Käse und die Eier Tiere starben. Wieder war es ein Buch, oder besser zwei, die mich zum Umdenken brachten. „Anständig essen“ von Karen Duve, und „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer. Auch diese Bücher sind absolut lesenswert. Mir war also vor ungefähr 8 Jahren plötzlich klar, dass ich meinen Weg vegan fortsetzen würde. Der Anfang war holprig, aber sehr schnell wusste ich, was ich noch essen „durfte“, sprich wollte, und was nicht. Auch meine Mutter las die Bücher. Und siehe da, wo sie mein Vegetarierdasein noch recht wenig beeinflusste, war dieser Schritt dann doch zu groß, um die Hintergründe nicht zu hinterfragen, sich selbst damit zu beschäftigen, und zu meiner großen Freude auch bei ihr zu einem Umdenken zu führen. 8 Jahre schon gibt es auch in meinem Elternhaus nur noch zu sehr seltenen Gelegenheiten Fleisch, Milchprodukte so gut wie gar nicht mehr. Und meinen Eltern geht es sehr gut damit. Auch wenn ich für mich keine Ausnahmen möchte, achte und respektiere ich den Weg meiner Eltern. Gerade auf dem Land ist es noch schwieriger, vegan unterwegs zu sein, und ihre Generation ist leider größtenteils noch weit davon ab, sich Gedanken um die Auswirkung der Ernährung zu machen. Trotzdem sind die Kuchen und Brote, die meine Mutter bei Veranstaltungen spendet, vegan. Und sie stellt sich den Diskussionen.

Aus Würstchen wurden Vürstchen

Um auf Weihnachten zurückzukommen: Unser Festmahl wurde teilvegan. Die ersten Jahre gab es zwei Schüsseln Kartoffelsalat. Eine mit dem „normalen“, und eine kleinere mit dem veganen. Die Würstchen getrennt auf zwei Tellern, der Senf geteilt. Auch mein Opa hat die vegane Variante gern probiert, und das Eis zum Nachtisch war dann sogar für alle auf Lupinenbasis. Es gab nie dumme Sprüche, weder in die eine, noch in die andere Richtung. Und mittlerweile ist der Salat komplett vegan. Es gibt immernoch zwei Schüsseln, zwei Varianten, aber wir essen alle aus beiden. Einzig bei den Würstchen gibt es noch den Unterschied zwischen totem Schwein und Pflanzenliebe.   Ich bin glücklich und stolz auf meine Familie, dass sie mit mir, mit uns den Weg geht. Uns akzeptiert. Dann und wann hinterfragt, ob es nicht der vegetarische Wurstaufstrich auch tut.

Der Gans(z)verzicht

Für meinen Mann gehörte zum Weihnachtsfest die traditionelle Gans. Und ich rechne ihm hoch an, dass er selbst darauf mittlerweile verzichtet. Zumindest in meiner Anwesenheit. Auch gibt es in unserem Kühlschrank nur selten tote Tiere. Die Umstellung gelingt ihm (noch?) nicht ganz. Aber er kocht für uns fantastische vegane Familienessen. Und überzeugt bei der Arbeit (einem Brauhaus, ich verzichte jetzt auf Auszüge aus der Karte) seine Kollegen von der veganen Lebensweise. Ist das nicht toll?
Unsere zweijährige Tochter ist ein wirkliches Zauberkind. Sie macht uns alle froh, steckt mit ihrer guten Laune an, ist kreativ und einfach ein Schatz. Ein Geschenk. Und sie lebt vegan, nicht erst von Geburt an. Denn auch meine Schwangerschaft verlief vegan und problemlos. Ich bin dankbar, dass sie in diese Familie geboren ist, und sehr gespannt, wohin dieser Weg sie und uns alle noch führen wird.

Ich wünsche Euch und Euren Familien von Herzen ein wundervolles Weihnachtsfest und ganz viel Liebe! Denn nur durch sie wird Veränderung möglich.

 

Moin, ich bin Jule, 36 Jahre alt, Mutter einer wundervollen Tochter und Ehefrau und Geliebte meines Traummannes. Nach fast 10 Jahren in Barmbek Süd wohnen wir momentan in Lauenburg. Ob wir hier heimisch werden, wird sich noch zeigen…
Ich schreibe zwar nicht regelmäßig, aber wenn, dann mit Herzblut. Wer möchte, kann hier die Berichte über unser Experiment in der Fastenzeit 2018 lesen. Da wollten wir keine verarbeiteten Lebensmittel kaufen. Spannend!
Ganz lieben Dank Jule für diesen wundervollen Beitrag. Ich wünsche dir und deiner Familie ein wundervolles Fest und beneide euch fast ein bisschen, weil ihr nicht wochenlang überlegen müsst, welcher vegane Braten in diesem Jahr serviert wird ;)

Alles Liebe

Deine Carmen

„Ja – schicke mir bitte das gratis eMail-Kurs über Vitamin B12 in Schwangerschaft, für Babies, Kinder und Erwachsene!“

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